
Männergruppe in Degerloch – Kann man hier lernen, kein toxischer Mann zu sein? Stuttgarter Zeitung
Traditionelle Rollenbilder zeichnen ein simples Bild von Männlichkeit– dominant, stark, selbstbewusst. Eine Männergruppe aus Degerloch sieht das anders. Sind das die modernen Männer?
Von Frederik Herrmann
Donnerstag 20. August 2026
Stuttgarter Zeitung @stuttgarterzeitung
AUSZUG „Genau gegen solche Vorstellungen versucht Christoph May anzukämpfen. Gemeinsam mit seiner Partnerin Marie Louise hat er das Institut für Kritische Männerforschung in Berlin gegründet und gibt Workshops über Männlichkeit – genauer gesagt: über toxische Männlichkeit.
Diese sei für die Lebensrealität von Frauen verantwortlich. Und die sehe häufig düster aus: Übergriffe, Sexismus, häusliche Gewalt und Femizide, erklärt May. Ein Blick in die Kriminalstatistik zeigt: Die Täter sind so gut wie immer Männer.
„Das lässt viele Männer nicht los“, sagt May und verweist auf die zahlreichen Demonstrationen von Männern in diesem Jahr gegen Gewalt an Frauen. Er ist überzeugt: „Inzwischen muss sich jeder Mann die Frage stellen, ob die eigene Partnerin ihm noch vertraut.“ Immer mehr Männer wollten deshalb an sich arbeiten und lange verinnerlichte Haltungen hinterfragen.
Um das Problem zu lösen, reiche es jedoch nicht, wenn Männer unter sich blieben, so May. Es brauche auch andere Perspektiven. „Wenn Männer immer nur Literatur, Kunst und Filme von Männern konsumieren, werden sie nie mit der Lebensrealität von queeren Menschen und Frauen konfrontiert“, sagt May.“

