Christoph May über das männliche Schweigen zu Gewalt gegen Frauen Deutschlandfunk Corso
Interview mit Mike Herbstreuth
Corso – Kunst und Pop @deutschlandfunk
Montag 23. März 2026, 15:10 Uhr
AUSZUG
Mike Herbstreuth: Was wäre dann da jetzt eine angemessene Reaktion von Männern? Jetzt wo das Thema Gewalt gegen Frauen so in der Öffentlichkeit ist.
Christoph May: „Mann müßte sich solidarisieren, auf Demos gehen, Frauen und queere Menschen supporten. Mit Frauen und queeren Menschen darüber sprechen, sich mit deren gewaltvoller und sexistischer Lebensrealität auseinandersetzen.
Vor allem aber auch sich mit seinem eigenen männlichen Umfeld beschäftigen. Frag Deine Freunde, Deine Söhne, Onkel, Kollegen. Spreche mit denen über Sexismus, über häusliche Gewalt, über unbezahlte Care Arbeit. Über männliche Privilegien und vor allem über strukturelle Gewalt. Die Männer müssen untereinander anfangen über Catcalling zu sprechen, über digitale Gewalt und eben über ihre Verantwortung.
Und sich die Frage stellen, wie halte ich persönlich diese patriarchalen Strukturen aufrecht? Warum habe ich keine weiblichen und queeren Vorbilder? Warum gehe ich mit meinen Jungs nicht zum Frauenfussball? Übernehme ich zu hundert Prozent die Haus und Sorgearbeit? Den Mental Load?
Es wär ja schon ein Anfang, wenn wir Männer mal zu Gisèle Pelicot sprechen hören würde oder wenn sie zu den Epstein Files Stellung beziehen würden. Warum hören wir gerad nichts von Friedrich Merz oder Markus Söder zu dem Fall? Das liegt wohl daran, dass das extrem männlich dominierte Parteien sind. Wir sind in der CDU/CSU aktuell bei 77 Prozent, in der Afd bei symbolischen 88 Prozent. Das ist das Problem.“



