






Männer, wie machen wir es endlich besser? Deutschlandfunk Nova
Der Fall um Collien Fernandes und Christian Ulmen hat in der Sexismus-Debatte einiges ins Rollen gebracht. In dieser Folge von „Facts & Feelings“ geht es deshalb unter anderem darum, wie Männer sich verhalten können, wenn andere Männer in ihrer Nähe frauenfeindliche Dinge sagen oder tun, und was Männer tun können, um Gleichberechtigung zu leben.
Facts & Feelings 20. April 2026 | Deutschlandfunk Nova | Autor und Host: Przemek Żuk | Redaktion: Friederike Seeger, Stefan Krombach, Mo Lorenz | Produktion: Oskar Kühl
AUSZUG
Toxisches Verhalten unter Männern
„In der Regel bekommen Männer aber oft gar nicht mit, wenn es zu derartigen Übergriffen, Missbrauch oder sexistischen Kommentaren kommt, sagt Christoph May. Er bezeichnet sich selbst als Männerforscher – ein Begriff, der in Deutschland allerdings nicht offiziell oder geschützt ist.
Christoph May hält Vorträge und gibt Workshops zu toxischer Männlichkeit sowie Seminare über Männerbünde, Männerbilder und kritische Männlichkeit. „Überall da, wo Männer unter sich sind, entwickeln sich toxische Monokulturen und Verhaltensweisen. Und die sind Gift für Geschlechtervielfalt, soziale Beziehungen und kulturellen Reichtum“, erklärt Christoph May.
Männlich dominierte Gesellschaft
Er sagt, dieses toxische Verhalten entstehe, weil wir in einer männlich dominierten Gesellschaft leben. „Männer profitieren von diesem System, da kann sich keiner rausnehmen“, so Christoph May. „Wir halten das am Laufen – allein schon dadurch, dass wir von diesen Männerrunden profitieren, von männlichen Karrierenetzwerken, männerbündischen Umgebungen und dass Männer im Grunde im Leben direkt an der Ziellinie starten.“
„Männer bleiben vor allem unter sich und wir müssen hier über männliche Privilegien sprechen.“ Christoph May, Männerforscher
Christoph May sagt, die Lösung wäre, das eigene Umfeld diverser zu machen. Sprich: nicht nur mit Männern abzuhängen, sondern auch mit Frauen und queeren Personen – und zwar ohne sie zu sexualisieren oder zu objektivieren. Es kann auch helfen, den eigenen Medienkonsum zu hinterfragen. Laut Christoph May lesen die meisten Männer keine Bücher von Frauen oder queeren Autorinnen und Autoren und konsumieren auch keine entsprechenden Filme, Serien oder Musik.
Patriarchat, was ist das?
Was Christoph May in seinen Seminaren auffällt: Männern fehlt häufig auch das Wissen über die Themen Patriarchat und Feminismus. Für ihn ist das das Hauptproblem. „Das Wichtigste ist, mit Männern über genau diese patriarchalen Strukturen ins Gespräch zu gehen und ihnen bewusst zu machen, wie männlich dominiert die Gesellschaft in Wahrheit noch ist“, findet der Männerforscher. Häufig hätten Männer auch die Vorstellung, Frauen und Männer seien gleichberechtigt, so May. „Also ein völliges Unverständnis für strukturelle Gewalt“, findet er.May sieht aber auch eine positive Entwicklung: Die Kritik an der Männlichkeit hat sich zuletzt stark beschleunigt.
„Überall sind Männer jetzt gefordert, Stellung zu beziehen. Wer sich hier weiter rausschweigt, der macht sich einfach verdächtig und das darf nicht länger sein.“ Christoph May, Männerforscher
Gesprächspartner:
Gunnar, versucht, ein möglichst guter Mann zu sein, erhält dafür medial viel Zuspruch
Christoph May, Männerforscher, hat mit Marie Louise May das Institut für Kritische Männerforschung gegründet
Fabian Ceska, Bildungsreferent und Co-Founder des Bildungsinstituts Detox Identity

