Wie können wir noch mit Männern leben? Woman Magazin

Fälle wie jene von Gisèle Pelicot und Collien Fernandes haben das Vertrauen zwischen Frauen und Männern erschüttert. Was trotz allem Hoffnung macht – und was auch jene beitragen müssen, die „nicht so sind“.

Von Nina Horcher @womanmagazin

Mit Nicole List @nicoleantonialist
Elli Scambor @gender.wahn
& Christoph May @detoxmasculinity

Woman Magazin
Issue April 2026

AUSZUG „Auch vermeintlich „anständige“ Männer profitieren aktuell von Strukturen, die Gewalt an Frauen ermöglichen, ist Männerforscher May überzeugt. Denn: „Das größte Privileg für Männer sind Männerbünde, also Netzwerke und männlich dominierte Umgebungen in Wirtschaft, Politik und Kultur.“ Davon ist unsere Gesellschaft aktuell durchzogen. Das bringt laut May Vorteile: „Wir starten im Leben direkt an der Ziellinie.“ Viele halten sich darüber hinaus mit ihrer Kritik zurück, weil sie sehr genau wissen, „wie gefährlich Männer sind“. […]

In einer EU-Studie gaben 20 Prozent der Frauen zwischen 18 und 29 Jahren an, seit ihrem 15. Lebensjahr online sexuelle Belästigung erlebt zu haben. Aber nur ein Bruchteil der Fälle häuslicher Gewalt wird zur Anzeige gebracht. „19 von 20 Taten werden gar nicht angezeigt“, erklärt May. „Fernandes hat völlig recht, wenn sie Deutschland als ‚Täterparadies‘ bezeichnet.“ Viele Frauen fragen sich dieser Tage aus gutem Grund: Wie sollen wir Männern noch vertrauen? Damit sich etwas ändert, müssen sie in der Lage sein, „sich und ihr Wirken kritisch zu hinterfragen – und ihr männliches Umfeld zur Verantwortung ziehen“, argumentiert der Männerforscher.

Er appelliert, sich aktiv zu informieren und eine weibliche Perspektive einzuholen: „Sprecht über Femizide, Misogynie, häusliche Gewalt und Hate Speech. Über fragile Männlichkeit und Abwehrstrategien.“ Dabei empfiehlt der Experte jedem Mann, sich folgende Frage zu stellen: „Kann ich auf Augenhöhe mit Frauen sprechen, ohne sie zu sexualisieren? Einfach nur, weil sie Menschen sind?“

Persönlich messe er Männer daran, „ob sie queere Freund:innen, Kolleg:innen oder Bekannte haben, empathiefähig sind und zu 100 Prozent die Haus- und Sorgearbeit machen sowie den Mental Load übernehmen können. Wissen sie überhaupt, was das ist?“ Auch May erkennt bereits positive Entwicklungen: „In der Gleichstellungsarbeit vieler Unternehmen engagieren sich zunehmend Männer. Auf politischer Ebene kann man vor allem bei Linken und Grünen sehen, wie es gelingen kann, durch Quotierung und Awareness auf allen Ebenen für gleiche Rechte und Sichtbarkeit zu sorgen.“

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