
Demo statt Bollerwagen – Welche Männlichkeitsbilder brauchen wir? Deutschlandfunk Kultur
Studio 9 kompakt – Themen des Tages
@deutschlandfunkkultur
Interview mit Thomas Jaedicke
Redaktion: Vera Linß
AUSZUG
TJ: „Mit Himmelfahrt verbinden viele Bollerwagen und Bier trinkende Männer. Es gibt aber auch Männer, die diesen Tag anders begehen, zum Beispiel mit einer Demo. Christoph May zum Beispiel. Wir erreichen den Literaturwissenschaftler und Männerforscher in Hamburg, wo es auf dem Heiligengeistfeld eine Demo gibt unter dem Motto: „Come on Boys! Vatertag reframed“. Sie richtet sich gegen Gewalt an Frauen und will ein Zeichen für ein neues Männerbild setzen. Guten Tag Christoph May. Sie waren auf der Demo, Sie haben da gesprochen, was haben Sie gesagt?“
CM: „Nun, nach dem letzten feministischen Kampftag und den Demos, die kurz darauf die Gewalttaten von Christian Ulmen ausgelöst haben, kann man sagen, wer sich jetzt noch weiter raus schweigt macht sich verdächtig. Das war ein Shift dieses Jahr. Das Schweigen der Männer hat seit März eine ohrenbetäubende Lautstärke erreicht. Männer werden jetzt nicht nur als Problem erkannt, sondern auch lautstark als Problem benannt. Auf Demos, auf Plakaten, auf Social Media. Und zunehmend auch in der Tagespresse, im öffentlichen Diskurs. Oder wie Collien Fernandes gesagt hat: “Deutschland ist ein Täterparadies“. Und dieses Schweigen dazu, dieser enorme Vertrauensbruch geht jetzt durch alle Familien, durch alle Partnerschaften, durch die gesamte Gesellschaft. Männlichkeit ist überall verdächtig geworden. Ob die Männer wollen oder nicht.“

