Kinderwunsch: „Ich will Vater sein, nicht Mutter“ Der Standard

Sich für ein Leben ohne Kinder zu entscheiden, wird gesellschaftlich immer akzeptierter. Junge Frauen lässt oft die fehlende Gleichstellung an einer Familiengründung zweifeln

Von Brigitte Theißl @brigitte_thess
Der Standard @derstandardat
Mittwoch 8. April 2026, 09:00 Uhr

AUSZUG

Abwesende Männer

„Wenn es um die Verteilung von Care-Arbeit in der Familie geht, dann sehen wir immer wieder: Männer nehmen an diesem Diskurs einfach nicht teil“, sagt dazu Berater und Männerforscher Christoph May, der gemeinsam mit Marie Louise May das Institut für Kritische Männerforschung gegründet hat.

In der Popkultur sei die Erzählung des abwesenden Vaters über Jahrzehnte hinweg ein Klassiker der männlichen Heldenreise, sagt Christoph May. „Aber gibt es Geschichten, in denen Männer miteinander über Care-Arbeit sprechen, sich kritisch mit ihrer Vaterrolle auseinandersetzen? Solche Filme und Serien bekommen wir nicht zu sehen.“

Hollywood spiegle damit letztlich die Realität. „Wir brauchen uns nur die Statistiken anzusehen, wie wenige Väter immer noch in Elternkarenz gehen“, sagt May. Auf der weltpolitischen Bühne seien es hingegen überwiegend Männer, die die niedrige Geburtenrate beklagen und Fortpflanzung zum Thema machen würden. „Ob es jetzt ein Viktor Orban ist oder Elon Musk, da sehen wir dann rechtsnationale Ideologien. Oder militaristische Interessen wie bei Putins Mutter-Helden-Orden“, sagt May. […]

Männlichkeitsforscher Christoph May ist überzeugt, dass es auch anders gehen könnte. In seinen Seminaren versucht er Männer auf „eines ihrer größten Privilegien“ aufmerksam zu machen. „Männer bauen ihre Karrieren auf die unbezahlte Arbeit von Frauen auf. Der Wert dieser Arbeit liegt in Deutschland aktuell bei jährlich 826 Milliarden Euro“, sagt May. Den gegenwärtig dominanten Männlichkeitsbildern müsse eine „Caring Masculinity“ entgegengestellt werden. „Wir brauchen Vorbilder, eine neue Selbstverständlichkeit, dass Fürsorge ein unverzichtbarer Bestandteil von Männlichkeit ist und Männer dafür Verantwortung übernehmen.“

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