„Männlichkeit muss überall verdächtig werden“

Beitrag von Luna Ragheb für NDR Kultur und NDR Info | 16. April 2026

„Männlichkeit kritisch hinterfragen: Was früher vor allem in feministischen oder akademischen Kontexten verhandelt wurde, ist zunehmend Teil öffentlicher Debatten geworden. Dabei werden auch immer mehr Stimmen von Cis-Männern* laut, die sich kritisch mit ihrer eigenen Sozialisation, bestimmten Verhaltensweisen und Einstellungen auseinandersetzen.

Auch der in Ostfriesland lebende Berater Christoph May beschäftigt sich seit vielen Jahren mit dem Thema Männlichkeit. Er klärt öffentlich kritisch über Männlichkeitsbilder auf – etwa in Workshops oder über seine Plattform „Institut für Kritische Männerforschung”, die er gemeinsam mit seiner Partnerin Marie Louise May geschaffen hat.

Sie vertreten die Meinung: „Überall dort, wo Männer unter sich bleiben, entwickeln sich toxische Monokulturen, die Gift sind für Geschlechtervielfalt, Gift für die unzähligen Varianten sozialer Beziehungen und Lebensformen, Gift für diverse Erzählungen und kulturellen Reichtum.” Deswegen erachtet es Christoph May als umso wichtiger, als Wissensaktivist, wie er sich selbst bezeichnet, über diese Themen kritisch aufzuklären.

Durch ihre Popularisierung sind Ansätze der „toxischen“ und der „kritischen Männlichkeit“ auch in die Kritik geraten, weil sie teils als zu individualisierend wahrgenommen werden.

Essayist Kim Posster publiziert seit einigen Jahren zu Themen rund um Männlichkeit und beobachtet eine Tendenz, dass „kritische Männlichkeit “ oft als eine „positive“ oder „neuartige“ Form von Männlichkeit verstanden wird, während „toxische Männlichkeit“ als eine „schlechte“ Variante davon abgegrenzt wird. Posster sagt: „Das ist oft ungenau und oberflächlich und führt dazu, dass Männlichkeit vor sich selbst gerettet werden soll, statt grundsätzlich zu schauen, wie Männlichkeit eigentlich nie ohne Abgrenzung und Abwertung des Nicht-Männlichen zu haben ist.“

* Männer, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt zugewiesenen männlichen Geschlecht übereinstimmt“

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