Tech-Bros, Männlichkeit und die Fantasie der Unbesiegbarkeit News.at

Tech-Bosse, die sich plötzlich hypermaskulin präsentieren, Unternehmer mit Hang zu Geheimagenten-Geschichten und solche, die sich selbst als Superhelden inszenieren: Welche Vorbilder Zuckerberg, Musk, Bezos und Co. geprägt haben – und es immer noch tun.

Von Sinah Edhofer @newsmagazin
Montag 15. Juni 2026

AUSZÜGE

„Gerade Tech-Giganten neigten dazu, sich als Retter der Menschheit zu inszenieren, sagt der Männlichkeitsforscher Christoph May, der gemeinsam mit seiner Partnerin Marie Louise May das Institut für kritische Männlichkeitsforschung gegründet hat und unter anderem die Deutsche Bundeswehr zu Demo­kratie-, Wirtschafts-, Wissenschafts- und Genderthemen berät: „Wir erleben gerade eine Mischung aus „White Supremacy“ und „Male Supremacy“*: Die Vorstellung, weiße Männer – vor allem diese Tech-Bros – seien die Einzigen, die die Welt retten können. Demokratie gilt dabei als überholt, stattdessen träumt man von autoritären, technokratischen Machtstrukturen.“

Dass Technologieunternehmer politischen Einfluss ausüben wollen, sei kein neues Phänomen. „Neu ist aber das Ausmaß. In den USA standen führende Tech-CEOs bei der Amtseinführung von Donald Trump demonstrativ in einer Reihe. Das war ein starkes Symbol.“ […]

Männliche Superheldenfantasien

Bezos selbst, einer der bekanntesten „Trekkies“ der Welt, hat mit seinem früheren Erscheinungsbild jedenfalls kaum noch etwas gemeinsam: Trainiert, gebräunt, mit neuer Frau an seiner Seite, schwebt er von einem Society-Event zum nächsten. Für May ist das kein Zufall: „Früher galt Bezos als nerdig und schmächtig, heute präsentiert er sich als muskulöser Machtkörper. Das ist eine Form performter Männlichkeit.“

Die Fantasie männlicher Überlegenheit sei eine der zentralen modernen Männlichkeitsfantasien, so der Forscher. Eine wichtige Rolle spielen dabei die kulturellen Vorbilder, mit denen viele erfolgreiche Tech-Unternehmer und Politiker aufgewachsen sind. „Superheldenfilme spielen eine enorme Rolle. Marvel und DC prägen Bilder von Macht, Gewalt und männlicher Ausnahmeexistenz. Mit diesen Bildern sind ganze Generationen von Männern aufgewachsen. Niemand kann sich davon komplett freimachen.“

Derzeit, so May, sei eine massive Inszenierung von Macht und Überlegenheit zu beobachten, sichtbar etwa an Figuren wie Elon Musk. Die rasante Entwicklung Künstlicher Intelligenz könnte diese Dynamik sogar noch weiter verstärken. May prognostiziert: „Der Fokus wird künftig noch stärker auf KI liegen, und dieser Bereich ist massiv männlich dominiert.“ Bleibt nur zu hoffen, dass sich die Verantwortlichen dann nicht allzu sehr von Filmen wie „Mission Impossible“ inspirieren lassen, in denen eine auf Abwegen geratene KI die Welt ins Chaos stürzt.“

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