
„Off Campus“ und Co: Können Autorinnen das Männerbild ändern? BR24
Wenn Frauen über Männer schreiben: Die Männerfiguren der Serie „Off Campus“ gelten als sensibel und reflektiert. Viele Liebesromane von Frauen werden derzeit als Gegenentwurf zur toxischen Männlichkeit gelesen. Revolutionieren sie das Männerbild?
Von Thien Kim Tran Ngoc @br24
Montag 8. Juni 2026
AUSZÜGE
„Die Figuren in „Off Campus“ sind fiktiv. Christoph May, Mitgründer des Instituts für Kritische Männerforschung und Dozent für kritische Männlichkeit, betont jedoch, dass solche Darstellungen trotzdem gesellschaftliche Wirkung entfalten können: „Die meisten unterschätzen die Macht von Männerbildern, das prägt uns früh.“
Nach Einschätzung Mays zeigt sich zwar eine Entwicklung hin zu emotionaleren Darstellung von Männlichkeit, jedoch nur langsam. Wirklich progressive Erzählungen gingen häufig von Frauen oder queeren Menschen aus. Viele Männer seien nicht mit emotional präsenten Vorbildern aufgewachsen und hätten daher weniger Bezugspunkte für solche Geschichten. […]
Dass Popkultur gesellschaftliche Vorstellungen prägen kann, steht für May außer Frage. Serien wie „Off Campus“ sind für ihn Ausdruck einer langsamen Verschiebung von Männerbildern. Die Figuren verkörpern eine emotionale Offenheit, die selbst in der Jugend von Millennials noch kaum in Filmen oder Serien zu sehen war. Doch auch diese Gegenentwürfe sparen Themen aus: Care-Arbeit, emotionale Verantwortung oder strukturelle Ungleichheiten würden in vielen Produktionen nach wie vor nur am Rande behandelt. […]
Wie bringt man Männer dazu, sich mit den Lebensrealitäten von Frauen auseinanderzusetzen? „Es macht Sinn, Männern zu zeigen, welchen kulturellen Reichtum sie verpassen, wenn sie nur männliche Erzählungen konsumieren“, meint Christoph May. Progressive Männerbilder existieren oft nicht dort, wo Männer tatsächlich hinschauen. Solange sich das nicht ändert, bleibt der Einfluss von „men written by women“ auf reale Männlichkeit begrenzt.“
